-von Isabelle Becker-

 

Border Collie und Australian Shepherd sind zwei Rassen, die von vielen Leuten in nahezu einem Atemzug erwähnt werden. Dieser Vergleich ist bis zu einem gewissen Grad auch berechtigt. Beide Rassen gehören zu den Hütehunden der FCI-Gruppe 1 den „Hüte- und Treibhunden“ genauer der Sektion 1 den „Schäferhunden“. Sie haben eine unverkennbare optische Ähnlichkeit, laut Rassestandard haben beide Rassen eine Schulterhöhe von ca. 50cm und ein Fell von „mittlerer Beschaffenheit“ (beim Border Collie gibt es noch die kurzhaarige Variante, die auch FCI anerkannt ist, allerdings sind diese Hunde seltener anzutreffen). Weiter kommen in beiden Rassen die gleichen Farbschläge vor; der Border Collie ist in der Allgemeinheit hauptsächlich in klassisch schwarz-weiß bekannt, den Aussie kennt man gemeinhin als „buntere  Variante“.
Auch im Hundesport sind beide Rassen häufig anzutreffen, sie sind gemeinhin als führige Hunde mit rassetypisch viel „will to please“ bekannt. Vielleicht auch deswegen liegt ein vergleichen beider Rassen nahe.


links: Border Collie Rüde Woody "Wisp of Kate's Sam vom Beutenhof"
rechts: Australian Shepherd Rüde Keiko "Keiko of Mon Royal"
Beide Rassen haben eine nicht zu verleugnende äußerliche Ähnlichkeit
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Foto: Karoline Kubitza
links: Australian Shepherd Hündin Activity`s U Belong 2 Me
rechts: Border Collie Hündin High Speed Hope von Sumelocenna

Oft trifft man bezüglich der beiden Rassen auf bestimmte klischeehafte Aussagen wie „der Aussie ist ein Border Collie in light“ oder „der Aussie ist wie ein ruhigerer Border Collie“. Solche Vergleiche werden aber keiner der beiden Rassen gerecht und es stellt sich immer wieder die Frage „worin bestehen die entscheidenden Unterschiede zwischen den beiden Rassen?“ oder Interessierte stellen sich die Frage „passt eher ein Australian Shepherd oder ein Border zu mir?“

Um fundiert auf die Charakterunterschiede eingehen zu können, muss man zuerst die Geschichte der Rasse betrachten. Die Entwicklung und die Einsatzgebiete der Rasse sind entscheidend verantwortlich für den Charakter und sowohl die positiven Seiten einer Rasse, als auch die Seiten, die vielleicht im Zusammenleben Schwierigkeiten bereiten können, sind darin begründet.

 
Entstehung und Verwendung beider Rassen

Border Collie

Der Border Collie  wurde als Hütehund für die Arbeit an Schafen gezüchtet, er wurde ursprünglich im Grenzgebiet zwischen Schottland und England bei der Schafarbeit eingesetzt. Das Gelände dort ist sehr unübersichtlich und der Hund musste oft auch außerhalb der Sicht des Schäfers arbeiten. Der Schäfer konnte das richtige Befolgen von Befehlen oft gar nicht direkt am Hund sehen sondern sah nur die Reaktionen der Schafe.
Neben verschiedenen Veranlagungen, die der Border Collie für die Hütearbeit selbstverständlich haben musste, war - um in diesen geographischen Gegebenheiten effektiv mit dem Menschen zusammen arbeiten zu können - ein hohes Maß an Kooperativität unumgänglich. In der Zucht des Border Collies wurde daher insbesondere Wert auf diese Eigenschaft und eine gute Trainierbarkeit und Kooperativität gelegt. Weiter gibt es bei der Arbeit an einer großen Herde  immer wiederkehrende Probleme die der Border Collie bewältigen muss (beispielsweise Angriffe der Schafe auf den Hund) um sich solchen Situationen immer wieder zu stellen brauch der Hund ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Es ist wichtig, dass der Hund egal wie häufig eine Situation wiederkehrt oder wie schwer eine Aufgabe ist, diese bewältigt und nicht die Arbeit abbricht, oder aufgibt.


Bilder: Karin Hesselbarth
Border Collie Hündin Nanuu (ISDS 289940) bei der Schafarbeit.

Die Verhaltensabläufe, die der Border Collie beim Hüten zeigt entstammen dem Jagdverhalten. Der Border Collie schleicht mit abgesenktem Kopf, ähnlich wie ein Wolf auf seine Beute zu. Durch strenge züchterische Selektion wurde erreicht, dass beim Border Collie die Endhandlung der Jagd, das Reißen und Töten, nicht mehr zum genetischen Verhaltensrepertoire gehört.

 

Australian Shepherd

Der Australian Shepherd hingegen wird im Rassestandard des ASCAs bezüglich seines Charakters folgendermaßen beschrieben: „Der Australian Shepherd ist intelligent, in erster Linie ein Arbeitshund mit starkem Hüte- und Schutztrieb (...)“. Schon hier wird ein erster und sehr entscheidender Unterschied zum Border Collie klar:  der Aussie war und ist kein Spezialist, der für eine bestimmte Arbeit eingesetzt wurde. Er wurde für vielseitige Arbeit am Vieh gezüchtet: er arbeitete sowohl an Rindern, Schafen als auch Enten. Weiter hat er den im Rassestandard angemerkten Schutztrieb und ist im Allgemeinen durchaus in der Lage seinen Hof / sein Heim zu bewachen.



Fotos (alle vier): Nicole Wößner
links: Aussie Rüde HOF WTCH Pincie Creek Osceola PATcs RTDcs
rechts: WTCH Twin Oaks Fly Tying PATDcd DNA-VP

Sweetgrass Copycat ATDds PATDs OTDc. Nationals 2006

WTCH Legends of Teewinot's Talon RTDs DNA-VP
Der Aussie arbeitet aufrecht und zeigt rassetypisch weniger Auge als der Border Collie.

Wenn man beide Rassen bei ihrer ursprünglichen Arbeit vergleicht gibt es viele grundsätzliche Unterschiede: Der Australian Shepherd arbeitet enger an der Herde und zeigt nur wenig Auge. Weiter wurde der Aussie insbesondere für den Umgang mit härteren Situationen gezüchtet. Er arbeitet problemlos an großen Rinderherden, und auch bei der Pfercharbeit überzeigt er durch seine Ausdauer und Unerschrockenheit. Weiterhin sind Australian Shepherds oft sehr selbstständige Arbeiter, die allerdings eine Bezugsperson brauchen, die sie anleitet.



Foto (links):Nicole Wößner Nationals 2006
Foto: Karin Hesselbarth Australian Shepherd Hündin "Pearly" S bar L Red Pearl McCain bei der Arbeit an Rindern.

Weiter ist zu beachten, dass der Border Collie bereits wesentlich länger für die Hütearbeit selektiert wurde. Die gesamte Rassegeschichte des Australian Shepherds ist erst ca. 70 - 80 Jahre alt, das Stockdogprogramm (welches sich mit der Zucht und Förderung des Aussies als Hütehund befasst) ist ca. 40 Jahre alt. Gerade aufgrund der kürzeren Zuchtgeschichte des Aussies ist auch das Arbeitsbild am Vieh nicht so einheitlich zu beschreiben wie beim Border Collie.

Das war nun ein längerer Ausflug in die Entstehung und Entwicklung der beiden Rassen, wobei ich den historischen Rahmen weitgehend ausgeblendet habe. Viel mehr geht es mir darum, die unterschiedlichen Ansprüche, die an die beiden Rassen gestellt wurden, darzustellen. Aus der Entwicklung der beiden Rassen lassen sich am besten die doch recht großen Unterschiede erklären.
 

Charakterliche Unterschiede und potentielles Fehlverhalten

Aus den Entstehungsgeschichten beider Rassen gehen schon gewisse Unterschiede klar hervor, der Border Collie ist ein weicherer Hund, der kooperativ, leicht trainierbar aber auch wesentlich spezialisierter auf ein bestimmtes Aufgabengebiet, als der Australian Shepherd.
Gerade aufgrund seiner großen Kooperationsbereitschaft und Arbeitsfreude ist der Border Collie im Hundesport schnell sehr beliebt geworden. Der Border Collie ist egal um was es geht ein verlässlicher Partner, der erlernte Aufgaben mit einem hohen Maß an Routine wiederholt abarbeitet.
Das klingt nun natürlich wie der Wunschtraum eines jeden Hundebesitzers, aber aus der gleichen Gründen aus denen der Border Collie (richtig angeleitet) zu einem tollen Partner werden kann, kann er auch zu einem Problemhund werden. Man sieht das Bild leider schon viel zu oft: Border Collies, die hysterisch immer wieder Bällchen vor die Füße ihres Besitzers werfen, um ihn erneut geworfen zu bekommen; oder Border Collies die Autos, Jogger und Radfahrer fixieren oder sogar statt normalem Spielverhalten zu zeigen, ihre Artgenossen fixieren. Oft wird dieses Verhalten von den Besitzern sogar nicht als Problem erkannt. Schließlich zerstört der Hund nicht die Wohnungseinrichtung oder schadet anderen, nur die wenigsten sind sich bewusst darüber, dass ein Hund der hysterisch Bällchen apportiert permanent in einer Stresssituation ist. Auch das fixieren von Artgenossen, Autos und Menschen kann keineswegs als Ausleben eines natürlichen Verhaltens angesehen werden. Da das Hüteverhalten aus dem Jagdtrieb erfolgt, jagt der Border Collie seine Artgenossen und den Menschen, was keinesfalls ein harmloses „Vergehen“ ist.

Ein weiteres Problem beim Border Collie kann entstehen, wenn der Hundeführer nicht in der Lage ist, seinem Hund zu vermitteln was „Ruhe“ ist. Viele Border Collies sind nicht dazu in der Lage sich selbst wieder zur Ruhe zu bringen, und benötigen dazu, zumindest zu Beginn, Hilfe.
Es ist wichtig ihm auch wirklich zu vermitteln wann er seine Auszeiten hat, sonst läuft man in der Gefahr, einen dauerhaft aufgedrehten Border zu besitzen, der aber dann meist nicht mehr in der Lage ist, unter Trieb konzentriert zu arbeiten.

Nun zum Aussie. Der Australian Shepherd ist ein wesentlich härterer Hund als der Border Collie. Er wurde wie oben bereits erwähnt für Arbeit an schweren Tieren gezüchtet, und eine gewisse Härte war dafür selbstverständlich absolute Voraussetzung. Um einen Aussie zu führen muss die Bezugsperson ein höheres Maß an Disziplin und Konsequenz aufweisen, sonst neigt der Aussie dazu selbst die Entscheidungen zu treffen.
 Der Aussie ist ähnlich wie der Border Collie ein Hund der einen gewissen „will to please“ hat und mit seiner Bezugsperson arbeiten will, daher erfreut auch er sich im Hundesport immer größerer Beliebtheit. Er hat den Ruf ein etwas „leichterer“ Border Collie zu sein, da der Australian Shepherd nicht dieses oben beschriebene Jagd- / Hüteverhalten zeigt, wie der Border Collie. Der Australian Shepherd der im Rassestandard schon als „Arbeitshund mit Hüte- und Schutztrieb“ bezeichnet wird, ist kein solcher Spezialist wie der Border Collie und dadurch neigt er auch nicht dazu die oben beschriebene Palette von Fehlverhalten zu zeigen, die man beim Border leider immer wieder sieht.
Doch ist der Aussie dadurch wirklich ein leichterer, unkomplizierterer Hund?
Auch der Aussie will arbeiten und muss beschäftigt werden, allerdings ist der Aussie ein Hund der eigenständig arbeiten will. Der Aussie wird in den seltensten Fällen die gleichen Regeln immer wieder abarbeiten und befolgen, ohne sie mal in Frage zu stellen, oder eigene Lösungen zu suchen.
Der Australian Shepherd wird auch beispielsweise im Hundesport nicht unbedingt immer 100% geben, das liegt nicht an Sturheit oder Faulheit, sondern es gibt viele Gründe dafür: der Aussie möchte immer die ganze Situation „im Blick“ behalten. Er hat das ganze Geschehen im Visier und es entgeht ihm auch nichts was gerade am Rande geschieht.
Ein Australian Shepherd der keine richtige Führung oder Beschäftigung bekommt, wird eine ganz andere Palette von Fehlverhalten zeigen, als der Border Collie. Mittlerweile sieht man sie immer öfter, Australian Shepherds mit absolut übersteigertem Schutztrieb, die in ganz normalen Alltagssituationen meinen „nach vorne“ gehen zu müssen. Ein Aussie der nicht konsequent genug geführt wird, wird die Situationen selbst „einschätzen“ und sicher auch im Alltag oft zu anderen Ergebnissen kommen als von seinen Besitzern erwünscht. Er wird sie versuchen vor allem was er als bedrohlich empfindet zu beschützen und zu einer Gefahr oder zumindest Belastung werden. Leider sieht man immer mehr Aussies die sowohl gegenüber Fremden als auch gegenüber Artgenossen aggressiv sind, was mit Sicherheit langfristig zu einem vollkommen falschen Bild von der Rasse in der Öffentlichkeit führt.


Ein Aussie benötigt oft eine konsequente Führung sein Schutztrieb ist heute in der Gesellschaft nur noch selten erwünscht

Der Aussie ist kein leichterer Border Collie sondern eine komplett andere Rasse, mit anderer Entstehungsgeschichte, anderem Wesen und vor allem auch anderen Ansprüchen an seinen Besitzer.

Die beiden Rassen haben durchaus ihre Gemeinsamkeiten, aber die Liste der Unterschiede ist mindestens genauso groß, und man wird keiner der beiden Rassen gerecht, wenn man einfache Parallelen zieht, und versucht sie darauf zu reduzieren.
Australian Shepherd und Border Collie sind zwei faszinierende Rassen, die allerdings bezüglich des Umgangs komplett verschiedene Anforderungen haben.


Australian Shepherd und Border Collie im Hundesport

Es gibt viele kontrovers geführte Diskussionen ob es einem Hund der als Arbeits- und Hütehund gezüchtet wurde ausreicht ausschließlich oder hauptsächlich im Hundesport geführt und ausgebildet zu werden. Auf diese Diskussion möchte ich hier nicht näher eingehen, sich darüber eine Meinung zu bilden bleibt ohnehin jedem selbst überlassen.
Fakt ist dass mittlerweile in den neueren Hundesportarten, wie Agility und Obedience, immer mehr Border Collies und zum Teil auch Aussies gesehen werden. Der immer wieder zitierte „will to please“ macht es verhältnismäßig leicht einen solchen Hund auszubilden.


links: Border Collie Hündin Hope "High Speed Hope von Sumelocenna" beim Agility
rechts: Australian Shepherd Hündin Chilla "Topeka Chilla Rojo" bei konzentrierter Fußarbeit im Obedience

Sowohl Australian Shepherd als auch Border Collie sind gute und auch beliebte Partner bei verschiedenen Hundesportdisiplinen.

Doch auch im Hundesport gibt es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Rassen, die in den absolut unterschiedlichen Charakteren begründet sind.

Der Border Collie ist meist leichtführiger, weicher und einfacher zu trainieren. Hat er einen Übungsablauf verstanden so wird er ihn ausführen ohne das Kommando in Frage zu stellen, oder den eigenen „Nutzen“ abzuwägen. Zumindest anfänglich – stupide Wiederholungen von trivialen Übungen (wie beispielsweise ständiges Laufen eines bestimmten Schemas) stumpfen ihn ab, und verderben ihm die Freunde an der Arbeit. Solange der Hundeführer das Training allerdings interessant und anspruchsvoll gestaltet, kann er davon ausgehen, dass der Border Collie Übungen die er beherrscht, auch entsprechend zeigt.
Das  klingt nun mit Sicherheit sehr nach „Traumhund“ aber der Border Collie lernt sehr schnell. Erlaubt sich der Hundeführer Fehler in der Ausbildung, so ist es teilweise nicht mehr oder sehr schwer möglich bestimmte Abläufe zu korrigieren.
Der Border Collie geht selten bewusst in Konfrontation mit seinem Besitzer, viel eher versucht er unterschwellig Ungehorsam zu sein. Also bestehende Regeln zu verbiegen, immer in kleinsten Schritten sich etwas mehr Rechte zu erobern.


Sowohl Australian Shepherd als auch Border Collie haben Spass an der gemeinsamen Arbeit mit dem Menschen.


Fotos (alle 4): Elke Banz
links: Australian Shepherd Hündin "Pearl" Malpasos Quest 4 Black Pearls
rechts: Border Collie "Bandit"
Eerie Bandit vom Schürberger Hof


links: Australian Shepherd Rüde "Buddy" AM's My best Buddy
rechts: Border Collie "Bandit" Eerie Bandit vom Schürberger Hof

Sowohl Border Collie als auch Australian Shepherd sollten ruhig ohne bellen arbeiten. Kläfft der Border Collie kann man sicher sein, dass er aktuell nicht konzentriert ist. Beim Aussie gibt es mittlerweile das Bild, dass ein arbeitender Aussie immer kläfft, aber dies sollte auch eher die Ausnahme als die Regel sein. An dieser Stelle möchte ich Sandra Zilch zum Thema Kläffen beim Aussie zitieren: „...die mittlerweile fast gängige Meinung, daß des Aussies Rassemerkmal ist daß er beim arbeiten bellt, Rute hoch, ist unserer Meinung nach eine Katastrophe für die Rasse. Wir haben auf unserem Weg zu dem Typ Aussie den wir mögen ein paar gute Hunde hervorgebracht die auch beim arbeiten bellen. Es ist ein recht dominant vererbtes Merkmal. Aber man wird es immer seltener bei unseren Hunden antreffen.“


Foto: Karin Hesselbarth


WTCH Pincie Creek Chief Micanopy PATDcs
Foto: Nicole Wößner
Australian Shepherds wie man sie sich bei der Arbeit vorstellen sollte: Tiefe Rutenhaltung und ruhig!

Der Aussie ist wie der Border ein Hund den man immer häufiger im Hundesport antrifft. Allerdings ist seine Verbreitung meist nur regional, auf großen Prüfungen dominieren die Border Collies.
Woran liegt es?
Der Australian Shepherd ist ein Hund der sehr viel Spaß an  der gemeinsamen Arbeit hat, der aber keineswegs eine Aufgabe „einfach so“ hinnimmt weil es ihm jemand gesagt hat. Der Aussie will eigenständig arbeiten, und in seiner Arbeit auch einen „Nutzen“ sehen. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Aussie nur für Leckerlis oder Spiel arbeitet, aber es verlangt dem Hundeführer sicher ein nicht gerade geringes Maß an Überzeugungskraft ab, dem Aussie zu erklären wieso eine bestimmte Hundesport-Aufgabe nun erfüllt werden soll.
Der Aussie wird auch im Gegensatz zum Border Collie ein erlerntes Kommando (auch bei wirklich durchdachtem und motivierendem Training) nicht immer – oder mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit – befolgen. Ein Aussie wird immer mal wieder probieren ob man eine Aufgabe nicht doch anders lösen kann.
Das klingt jetzt vielleicht recht negativ, aber eins ist sicher, der Aussie ist eine faszinierende Rasse, mit all seinen Stärken und Schwächen. Aber wenn man rein Ziel- und Leistungsorientiert ist, ist der Aussie sicher eine „Liebhaberrasse“ – man kann alles mit ihm anfangen. Er wird sich in allem gut schlagen.
Aber er hinterfragt auch viel, und hat seine eigenen Vorstellungen von bestimmten Situationen.

 

Zukünftige Entwicklung beider Rassen

Sowohl beim Australian Shepherd als auch der Border Collie gibt es große züchterische Veränderungen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren.
Der durchschnittliche Hundebesitzer hat oft nicht die Zeit und Motivation einen Arbeitshund auszulasten und seiner Natur entsprechend zu fördern, möchte aber dennoch einen leichtführigen und kooperativen Hund. Daher gibt es mittlerweile Bestrebungen bei beiden Rassen eine „ruhigere Variante“ zu züchten.
Beide Rassen sind mittlerweile ganz deutlich in eine Show- und eine Arbeitslinie aufgespaltet, und die Hunde weisen nicht nur vom Wesen sondern auch optisch schon sehr große Unterschiede auf.

Was spielt das nun beim Thema „Vergleich Aussie – Border“ für eine Rolle?
Es ist folgendes: die charakteristischen Rassemerkmale auf die ich mich in meiner obigen Beschreibung bezogen habe betreffen das ursprüngliche Wesen der beiden Rassen. Das Wesen, welches entstand, als man lediglich auf den Charakter und die Arbeitsleistung bei der Zucht geachtet hat.

Wenn die Zucht allerdings neue Wege einschlägt, verändert sich zwangsläufig auch das Wesen. Dadurch findet man mittlerweile sowohl beim Aussie als auch beim Border Collie Hunde die gar nicht mehr arbeitsfreudig oder temperamentvoll sind und auch Hunde die gar keinen Instinkt mehr für ihre ursprüngliche Arbeit, die Hütearbeit haben.
Letzteres bedeutet aber nicht, wie oft beim Border Collie damit geworben wird, dass der Hund dadurch, auch nicht mehr zu gewissen Fehlverhalten, wie beispielsweise Autos fixieren, neigt. Oft haben diese Hunde noch einzelne Fragmente des Verhaltensrepertoires beim Hüten erhalten, es fehlt ihnen nur die Fähigkeit noch sinnvoll an der Herde arbeiten zu können.

Momentan würde ich die Situation folgendermaßen beschreiben: All diese Charakteristika und Wesensmerkmale kommen noch in den beiden Rassen vor. Allerdings ist es abhängig von der Linie / Zuchtrichtung in welcher Ausprägung bestimmte Merkmale noch vorhanden sind. Daher ist es für den Welpeninteressent sehr wichtig sich nicht nur über eine Rasse zu informieren, und sich für die Rasse zu entscheiden, die besser zu ihm passt. Sondern es ist ebenso wichtig, sich über Linien und Zuchtrichtungen zu informieren.

Nichts desto trotz bleiben unabhängig von Linie und Abstammung Australian Shepherd und Border Collie zwei unterschiedliche Rassen mit unterschiedlichen Ansprüchen an ihre zukünftigen Besitzer.

 


Border Collie Hündin "Nell" Nell vom Dänischen Wohld & Australian Shepherd Hündin "Shari" S bar L Rose a Riot

 

Quellen
Dr. Viola Hebeler: Quo Vadis Border Collie – Traumhund oder Problemhund
Mirjam und Maarten Walter: Der Australian Shepherd – Hansdampf in allen Gassen
Sandra Zilch: Der Australian Shepherd

 

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